Nachhaltigkeit digitaler Angebote
Die Komplexität der Realität findet sich längst in den digitalen Produkten wieder, die wir täglich konsumieren oder einsetzen. Das betrifft sowohl die Aufmachung als auch den operativen Unterbau. Beides ist an den technischen Möglichkeiten und stetig steigenden Anforderungen des Marketings und der Audience gewachsen. Weil es geht, weil die Ressourcen nunmal zur Verfügung stehen.
Man könnte sich also mit der Erkenntnis zufrieden geben, dass dies eben der Lauf der Dinge ist. Nicht umsonst hat uns Gordon Moore das Moore's law gebracht und niemand gibt sich heute mit einem 56k Modem zufrieden, wenn es – theoretisch – auch FTTH gibt.
Allerdings scheint die Zeit des sorglosen Umgangs mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zwangsläufig zu einem Ende zu kommen. Die Treiber für den Wandel sind, wie so oft, äußere Einflussfaktoren. Angefangen bei den zunehmend knapper werdenden Rohstoffen für die technischen Grundlagen, über geopolitische Einflüsse auf den globalen Handel bis hin zum Wandel in der Energiegewinnung entstehet auf verschiedenen Ebenen Handlungsdruck. Als wenn das nicht schon genug Herausforderungen wären, kommen stetig steigende Anforderungen an die Absicherung technischer Systeme gegen mutwillige Angriffe hinzu.
Next Stop: Komplexitätsreduktion. Was sich so einfach anhört ist in der Praxis eine große Herausforderung und eher ein Leitgedanke als ein konkreter Lösungsansatz.
Zur Verdeutlichung eignen sich konkrete Beispiele. Schauen wir uns diese kleine, unbedeutende Website an.
Die Mittel der Wahl
Das Ziel, eine eigene Präsenz im Web zu haben, lässt sich mit unterschiedlichen Mitteln erreichen.
Geeignet wären SaaS-Angebote genauso wie selbst betriebene CMS. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Die meisten Angebote wären für die Anforderungen hier jedoch überdimensioniert und verbrauchen damit viel mehr Ressourcen als notwendig wären. Konkrete ist die Wahl eines Systems, welches auf statischen Dateien statt einer Datenbank basiert und kein komplexes Caching implementiert, ein besser. Es reduziert die Komplexität und schont Ressourcen. Gleichzeitig kann die Zuverlässigkeit und Sicherheit durch die Reduktion der benötigten Komponenten erhöht werden.
Das soll jedoch nur ein Beispiel im Kontext dieser Website sein. Die Wahl der Hosting Plattform oder des verwendeten Toolsets bei der Entwicklung können ebenso auf den Faktor Komplexitätsreduktion einzahlen.
Der Fußabdruck
Neben den Vorteilen für mich, als Betreiber, hat eine reduzierte Komplexität auch unmittelbaren Einfluss auf den Energieverbrauch. Weniger aufwändige Lösungen benötigen oft weniger technische Ressourcen und führen zu einem geringeren Energiebedarf.
Darüber hinaus lassen sich digitale Assets für den jeweiligen Verwendungszweck optimieren. Das ist eine zusätzliche Maßnahme, die nicht automatisch mit einer reduzierten Komplexität daher kommt.
Um bei dem Beispiel dieser Website zu bleiben, kann bspw. der CO2 Fußabdruck für jedem einzelnen Aufruf durch komprimierte Stylesheets und für das Endgerät optimierte Bilddateien reduziert werden. Die Ersparnis kommt durch reduzierte Verarbeitungs- und Übertragungszeiten zustande.
Zur Bestimmung des CO2 Fußabdrucks einer Website gibt es Tools wie Website Carbon calculator oder Ecograder, die zumindest einen Anhaltspunkt in Sachen Energieverbrauch und CO2 Ausstoß geben.
Ausschlaggebend für den Fußabdruck ist natürlich auch die verwendeten Energiequellen verbunden. Erfolgt das Hosting auf Basis von erneuerbarer Energie, so erhält der Wert eine ganz andere Gewichtung. Green-IT ist ein alter Hut, trotzdem ist das Thema nicht selbstverständlich. Daher kann auch die Auswahl des Hosting Anbieters erheblich zum Ressourcenverbrauch beitragen.
Als Beispiel der Extreme lässt sich das Low←Tech Magazine anführen, deren Website nur dann verfügbar ist, wenn der Energielieferant – die Sonne – ausreichend Licht gespendet hat.
Fazit
Wie bei fast allen wünschenswerten Zielen gilt auch beim Thema Nachhaltigkeit: nichts kommt von allein. Versucht man sich am Grundsatz der Komplexitätsreduktion, lassen sich nach und nach Mehrwerte schaffen, die sich nebenbei auch positiv auf die benötigten Ressourcen auswirken.
Die größte Hürde stellt sicher das Umdenken und die Anpassungen vorhandener Systeme und Plattformen dar. Oft genug liegen die Handlungsoptionen nicht in der eigenen Hand. Dort wo die Flexibilität gegeben ist, wie bspw. das Betreiben einer eigenen Website, lassen sich mit initialem Aufwand jedoch nachhaltige Lösungen etablieren. Hilfreiche Informationen zu dem Thema lassen sich leicht finden. Eine Liste mit interessanten Links hat Eddie Dale auf seiner Seite zusammengetragen.
Happy Komplexitätsreduktion. ☀️